{"id":336,"date":"2012-09-07T10:52:37","date_gmt":"2012-09-07T09:52:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wartburgkreisbote.de\/?p=336"},"modified":"2012-09-07T10:52:37","modified_gmt":"2012-09-07T09:52:37","slug":"kinder-oder-untergang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wartburgkreisbote.de\/?p=336","title":{"rendered":"Kinder oder Untergang"},"content":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrliche Vorg\u00e4nge nennt man Dinge, die der Mensch nicht beeinflussen kann. Naturgesetze sind die erforschten Abl\u00e4ufe und Wirkungen unseres Lebensraums. Theorien und Interpretationen d\u00fcrften verschieden sein. Aber die Grundlagen sind unumst\u00f6\u00dflich. Das Bev\u00f6lkerungswachstum in Asien und Afrika basiert nicht auf Naturgesetzm\u00e4\u00dfigkeiten. Ebensowenig die Abnahme in Deutschland und Europa. In unseren Breitengraden wollen politische Dogmatiker allerdings ein neues Naturgesetz erforscht haben: Vom \u201egrundlegenden Trend der nat\u00fcrlichen Bev\u00f6lkerungsabnahme\u201c sprechen beispielsweise die Autoren des neuen Haushaltssicherungskonzeptes der Wartburgstadt Eisenach.<\/p>\n<p><em>Von Patrick Wieschke<\/em><\/p>\n<p>Wir wissen: Seit es Politik gibt, gilt die Faustregel, da\u00df, wer die Sprache bestimmt und die Begriffe besetzt, auch die Macht \u00fcber das Denken besitzt. Und so verwundert es nicht, da\u00df sich inzwischen bis in die untersten politischen Ebenen die \u201eNaturgesetzm\u00e4\u00dfigkeit\u201c vom Schrumpfen der Deutschen festgesetzt hat. Wer hinterfragt heute schon noch die Vorgaben von Oben? Das Schrumpfen scheint oben gewollt und unten fahrl\u00e4ssig umgesetzt zu werden. Das Beispiel Eisenach macht deutlich,\u00a0 da\u00df jegliches Handeln davon gepr\u00e4gt ist. Die eigene Steuerungskraft in der Bev\u00f6lkerungspolitik scheint aufgegeben. Ja, von Bev\u00f6lkerungspolitik wagt man gar nicht mehr zu sprechen. Und so kommt es eben, da\u00df man mit dieser zweifelhaften Einsicht dem Trend der \u201enat\u00fcrlichen Bev\u00f6lkerungsabnahme\u201c hinterherhechelt.<\/p>\n<p>Als vollziehe sich ein weiterer Schritt in der Evolution, werden notwendig geglaubte Entscheidungen gef\u00e4llt, damit s\u00e4mtliche Lebensbereiche den neuen und sich verst\u00e4rkenden Umst\u00e4nden Rechnung tragen. Zentralisierung der Verwaltung, Schlie\u00dfung von Schulen und Kinderg\u00e4rten, Stillegung von Bahnstrecken oder R\u00fcckzug des Busverkehrs aus der Fl\u00e4che. Nichts lohnt vermeintlich mehr. Damit glaubt man Gutes zu tun, vor allem den \u00f6ffentlichen Kassen. Kurz gedacht, meinen andere: Wo keine Schule mehr steht, will kaum mehr jemand wohnen. Wo kein Kindergarten mehr existiert, will kaum mehr jemand Kinder zeugen. Damit mangelt es in naher und in ferner Zukunft wiederum an jenen, die die Renten von morgen bezahlen und die Arbeit von \u00fcbermorgen erledigen. Schon heute fehlt es an Pflegekr\u00e4ften, weil die Menschen immer \u00e4lter werden. Der steigende Bedarf an Arbeitskr\u00e4ften stellte die politisch Verantwortlichen vor R\u00e4tsel. Da Geburtenf\u00f6rderung freilich nicht infrage kommt, m\u00fcssen mehr Ausl\u00e4nder her. Die sollen die Deutschen, so scheint es, nicht nur als Arbeiter, sondern auch als Staatsvolk von morgen ersetzen.<\/p>\n<p><strong>Sterben in der Wartburgregion<\/strong><\/p>\n<p>Wie sich der scheinbare Wille zur \u201enat\u00fcrlichen Bev\u00f6lkerungsabnahme\u201c auswirkt, kann man auch in der Wartburgregion allerorten beobachten. Allein der Wartburgkreis hat nur in der Zeit von 1998 bis 2008 die Einwohnerzahl einer Kleinstadt verloren. Da gibt es zum Beispiel den Ort Klings im s\u00fcdlichen Wartburgkreis. Von dort aus hat man nicht nur die weiteste Strecke im gesamten Landkreis bis zur Autobahn zur\u00fcckzulegen, sondern man kann auch hier nicht mehr einkaufen. W\u00e4hrend andernorts ein Discounter den anderen jagt und praktisch eine \u00dcberversorgung von Ballungszentren besteht, gibt es vom S\u00fcden bis in den Norden des Landkreises mehr als ein Dutzend Orte ohne jede Einkaufsm\u00f6glichkeit. Hier und da k\u00e4mpft man um einen Dorfladen, aber \u00dcberlebenschancen haben diese kaum. Eben weil es andernorts Discounter in H\u00fclle und F\u00fclle gibt \u2013 die aber freilich nur jene erreichen, die \u00fcberhaupt motorisiert sind. Die anderen m\u00fcssen sich auf fahrende B\u00e4ckereien oder Verwandte verlassen. \u00d6ffentliche Infrastruktur erreichen sie ebenfalls nur schwerlich, beispielsweise mit wenigen Bussen. Die von ihnen bezahlten Steuern landen vielleicht in Griechenland, nicht aber in der Sicherung ihrer Grundbed\u00fcrfnisse. Und es trifft immer mehr Orte, von Klings bis Wiesenthal \u00fcber Seebach nach Berka-Werra.<\/p>\n<p>Es geht eben dank Privatisierung und \u00d6konomisierung aller Lebensbereiche schlichtweg nur noch darum, da\u00df alles gewinntr\u00e4chtig ist. Und gewinntr\u00e4chtig sind eben nicht wenig befahrene Bahn- oder Buslinien. Investitionen in kleine Busse zum Beispiel scheut man &#8211; schm\u00e4lert ja schlie\u00dflich die Bilanz. Aussterbende D\u00f6rfer dank \u201enat\u00fcrlicher Bev\u00f6lkerungsabnahme\u201c bieten somit jenen gen\u00fcgend Argumentationsstoff, die ausschlie\u00dflich \u00f6konomisch denken und damit dem \u201eMarkt\u201c das \u00dcberleben ganzer D\u00f6rfer und Kleinst\u00e4dte \u00fcberlassen.<\/p>\n<p><strong>Politik feuert Teufelskreis an<\/strong><\/p>\n<p>Als beeintr\u00e4chtigte die Preisgabe \u00f6ffentlicher Infrastruktur und die Vorhaltung eines Mindestma\u00dfes an Grundversorgungseinrichtungen den Gesetzen des Marktes das Leben in l\u00e4ndlichen aber auch st\u00e4dtischen Gebieten nicht ohnehin genug, treibt die Politik den Teufelskreis munter an. Mindestens grob fahrl\u00e4ssig mu\u00df es uns erscheinen, wenn im Zuge der aktuellen Haushaltssicherungsdebatte in Eisenach laut dar\u00fcber nachgedacht wird, den Zuschu\u00df f\u00fcr die Sch\u00fclerspeisung erneut zu senken, Jugendeinrichtungen zu schlie\u00dfen oder Leistungen im \u00f6ffentlichen Nahverkehr abzubauen. Den St\u00e4dten und Gemeinden kann man zwar nicht vollst\u00e4ndig ihre Finanznot zuschreiben, wohl aber eine Kurzsichtigkeit, die ihresgleichen sucht. Wenn in der Eisenacher Oststadt, wie im letzten Jahr von den Stadtv\u00e4tern erdacht, alle Schulen schlie\u00dfen: Welche Familien sollen dort noch leben? Wen animiert das dort noch zum Kinderkriegen? Im Wartburgkreis schlossen in den letzten zehn Jahren dutzende Schulen, zuletzt in Thal und Wutha-Farnroda. Unser Geld in und f\u00fcr alle Welt, aber Familien und Zeugungswilligen macht man es immer schwerer. Schon 2006 hatten allein in der Wartburgstadt bereits 10.000 Einwohner ein Einkommen von lediglich 500-900 Euro, weitere 13.000 zwischen 900 und 1500 Euro. Kombiniert mit teurer oder fehlender Infrastruktur stellt sich gar nicht mehr die Frage, warum es seit langem mehr Sterbef\u00e4lle als Geburten gibt.<\/p>\n<p><strong>Logische Folgen<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir, wie eingangs beschrieben, davon ausgehen, da\u00df es heute zur politisch korrekten Erkenntniswelt geh\u00f6rt, da\u00df wir \u201enat\u00fcrlich\u201c immer weniger und immer \u00e4lter werden, wird deutlich, da\u00df es sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem handelt. Es wurde und hier kann von h\u00f6chster politischer Stelle kein Zufall vorliegen, planm\u00e4\u00dfig daf\u00fcr gesorgt, da\u00df die Stellung von Kindern, Ehe und Familie entwertet wurde und da\u00df ehrenamtliches Engagement eine Frage des Geldes wird. Die Akzeptanz des \u201edemografischen Wandels\u201c wurde in die Hirne vieler Landsleute verpflanzt. Dazu geh\u00f6rt auch, da\u00df viele meinen, es sei kein Geld f\u00fcr Schulen, Kinderg\u00e4rten, Spielpl\u00e4tze oder attraktive Geb\u00fchren vorhanden. Im Gegenteil: Deutschland ist zwar hoch verschuldet, aber nach wie vor reich.<\/p>\n<p>Das Geld mu\u00df nur anders verteilt werden \u2013 \u201eDeutsches Geld zuerst f\u00fcr deutsche Aufgaben\u201c mu\u00df ein oberstes finanzpolitisches Gebot werden. Aktuellen Studien zufolge erkennt die Mehrheit der Th\u00fcringer den \u201edemografischen Wandel\u201c als das gr\u00f6\u00dfte Problem dieser Tage an. Wichtig w\u00e4re an dieser Stelle nur, da\u00df man damit nicht die moderierte Anpassung an das Sterben meint, sondern den Willen zum Politikwechsel. Damit unser Land auch morgen noch reich ist: Reich an Deutschen \u2013 und das \u00fcberall!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrliche Vorg\u00e4nge nennt man Dinge, die der Mensch nicht beeinflussen kann. 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