Pflegefall St. Georg – Klinikum


„Die Patientenzufriedenheit während des Behandlungsprozesses wird permanent durch das Erfassen und Auswerten entsprechender Meinungen festgestellt“, heißt es im Beteiligungsbericht 2010 der Eisenachs zum St. Georg-Klinikum. Was festgestellt wurde, erfährt man darin nicht. Es kann vielmals nichts Gutes sein. Nach Auswertungen der Techniker-Krankenkasse liegt die Patientenzufriedenheit im Klinikum in allen erfragten Bereichen bei knapp über 75%. Hört man sich etwas genauer unter den Patienten um, ergibt sich ein anderer Eindruck. Viele meiden das Krankenhaus in dringenden Fällen sogar und begeben sich zur Behandlung lieber nach Friedrichroda oder andere Kliniken. Doch Eisenachs Oberbürgermeister Matthias Doht wollte nie eine „Qualitätsdiskussion“. Die Stadt Eisenach verfügt zwar rein anteilsmäßig ohnehin über wenig Einfluß auf das Geschehen in der Mühlhäuserstraße und kann sich auch zusammen mit dem anderen kommunalen Anteilseigner Wartburgkreis  wegen des Stimmenpatts allenfalls auf Kompromisse mit den Vertretern der Kirche einigen, die ebenfalls 50 Prozent der Anteile halten. Eine mißliche Situation fürwahr, doch wer eine „Qualitätsdiskussion“ vermeiden will, der will auch nichts verbessern.

Personalfluktuation zeigt Mängel

Geschäftsführer und leitende Ärzte wechseln am Eisenacher Klinikum regelmäßig. Die derart hohe Fluktuationsrate unter dem Personal macht die Probleme deutlich. Das Klima ist „vergiftet“, Personal fehlt oder ist überlastet, Strukturen und Prozesse funktionieren nicht und die fehlerhaften Gesundheitsreformen sowie die Ökonomisierung des Gesundheitswesens machen alles nur noch schlimmer. Die mangelnde Motivation und die Arbeitsüberlastung machen sich bei den Behandlungen am Patienten allzu oft bemerkbar. Wer das nicht mit seinem Gewissen oder dem hypokratischen Eid vereinbaren kann, verläßt das Krankenhaus. Das versuchten die verschiedenen Geschäftsführer aus Vergangenheit und Gegenwart auffällig offensiv mit privaten und anderen Gründen zu erklären. Nie aber habe es etwas mit „dem Hause“ zu tun gehabt. Betroffene Hunde bellen, möchte man meinen.

Ein Aufruf unserer Zeitung und jahrelange Recherchen führten entsetzliche Fälle zutage. Ende 2007 wurde im Klinikum ein knapp ein Jahr altes Kind behandelt. Zuvor soll es bereits durch die Zangengeburt im Klinikum geschädigt worden sein. Der Schädel des Kindes sei dabei so gequetscht worden, daß noch heute ein großes rotes Fleck auf einer Gesichtshälfte sichtbar ist. Die Mutter brachte ihr Kind mit Fieber, Durchfall und Erbrechen ins Krankenhaus. Sie führte dies auf eine falsche Impfung der behandelnden Kinderärztin zurück. Die Ärzte am Klinikum, sagt sie, wollten ihr dann weismachen, daß es sich um das sogenannte Sturge-Weber-Syndrom handele, obwohl Fieber bekanntlich nicht zu dessen Symptomen gehört. Darauf kamen die Ärzte, weil sie nach einem ebenfalls zu behandelnden Sturz den rechten Arm nicht bewegen konnte und daraufhin eine für das genannte Syndrom übliche Halbseitenlähmung attestiert wurde. Die Mutter, ein medizinischer Laie, wies vergeblich darauf hin, daß das Bein noch bewegt werden kann und folglich eine Lähmung nicht vorliegen könne. Ein Therapeut wies Monate später nach, daß durch den Sturz das Schulterblatt in die Rippen gequetscht wurde. Damals sei nicht geröntgt worden- die Behandlung wurde fortgesetzt. Ein verabreichtes Epilepsiemittel führte zum Herzstillstand, das Kind überlebte knapp in einem Erfurter Klinikum, so die Mutter.

Viele Behandlungsfehler

Eine andere Frau erhielt per Kaiserschnitt im Jahr 2008 ihr Kind. Die Ärztin, die nur mangelnde Deutschkenntnisse gehabt habe, soll das Skalpell noch vor Einsetzen der Betäubung angesetzt haben, weil sie die Antwort, daß die junge Frau noch etwas spüre, schlichtweg nicht verstanden hätte. Sie klagt noch heute über Schmerzen an den Stellen, wo der Schnitt erfolgte und dieselbe Ärztin ihr eine Rückenmarksspritze gab. Ein Eisenacher soll von Dr. E. die falschen orthopädischen Schuhe verschrieben bekommen haben und habe heute deshalb kaputte Sprunggelenke. Ein Vorgehen gegen Dr. E., der heute an einem Klinikum in Freiberg arbeiten soll, wurde deshalb verunmöglicht, weil dieser nach Aussagen seines Nachfolgers die Patientenakte nicht nur frisiert haben soll, sondern sogar mitgenommen habe. Hier war man Gerüchten zufolge konsequent und verwies den Arzt seinerzeit des Hauses. In vielen anderen Fällen, und unsere Redaktion hat bereits dutzende dokumentiert, drückt man offensichtlich ein Auge zu, ignoriert Patientenbeschwerden und hält den Deckel über die Mißstände. Das wiederkehrende öffentliche Selbstlob des Klinikums kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß minderqualifiziertes Personal (laut Mitarbeitern werden bei Einstellungen Kirchenmitglieder ohne Rücksicht auf deren Qualifikation bevorteilt), fremdsprachige Ärzte, verkorkste Gesundheitsreformen und Profitorientierung, dem Klinikum enormen Schaden zufügen. Es wird Zeit, eine offene und rücksichtlose Qualitätsdiskussion zu führen.

Wenn auch Sie über Behandlungsfehler und Mißstände berichten können, wenden Sie sich vertrauensvoll an unsere Redaktion.


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