»Braune Scheiße bringt einen See eben zum Kippen« – Manfreds Grob (CDU) dreht durch


Bernshausen: ein idyllisches Dorf im südlichen Wartburgkreis. Wer hierher kommt, sucht die Ruhe, sucht die Natur, sucht die Schönheit der Rhön. Und: wer hierher kommt, wird auch die Bernshäuser Kutte besichtigen. Der größte See der Rhön ist überregional bekannt. Bis vor etwa 15 Jahren war die Kutte im Sommer Ausflugsziel für hunderte Badegäste – täglich. Auch für den enormen Fischbestand ist sie bekannt – das Pachtgewässer des Angelvereins Urnshausen führt neben Plötzen, Rotfedern und Schleien auch große Hechte, Karpfen und Aale. Der finanzielle Wert des Fischbestandes ist nicht bezifferbar, geht aber wohl in die Hundertausende.

Die Kutte führte bis vor einigen Jahren sehr klares Wasser. In den letzten Jahren wurde dies aber immer trüber, man konnte einen Faulgeruch wahrnehmen. Der Sauerstoffgehalt sank stetig. Im November 2011 schien das biologische Maß voll zu sein und das Gewässer kippte. Ein massives Fischsterben wurde beobachtet. In kurzfristigen Rettungsaktionen konnte der Angelverein noch einige Fische vor dem sicheren Tod bewahren. Für hunderte Tiere kam die Hilfe jedoch zu spät.

Das Landratsamt führte dieses Fischsterben allein auf den niederschlagsarmen Oktober und November, (trotz Verbot) badende Personen, Fischkot sowie im Herbst in das Wasser fallendes Laub und Eicheln zurück. Dies war nach Ansicht vieler Bürger vor Ort deutlich zu kurz gegriffen. Zum einen ist es nahezu ausgeschlossen, daß Badegäste einem so großen See überhaupt nachhaltig Schaden zufügen können – im Gegenteil: Badegäste bringen meist noch Sauerstoff ins Wasser. Auch Fischkot kann ein solch großes Ökosystem nicht derartig beeinträchtigen. Die NPD im Kreistag des Wartburgkreises recherchierte also nach den Ursachen. Da ein sogenanntes Kippen nur in äußerst seltenen Fällen natürliche Ursachen hat, war für die NPD und einige Umwelt- und Landwirtschaftsexperten schnell klar: die massive Düngung der umliegenden Wiesen (die allesamt höher liegen als der See) durch landwirtschaftliche Betriebe steht in engem Zusammenhang mit der Sauerstoffabnahme der Kutte. Denn Düngemittel enthalten Phosphate und Stickstoffverbindungen, die nur unter hohem Sauerstoffverbrauch zersetzt werden können. Die Folge: Algenbildung und weiterer Sauerstoffverbrauch. Die NPD im Kreistag forderte deshalb, daß die Kreisverwaltung dahingehend auf die Betriebe einwirkt, daß auf eine Düngung in diesem Jahr verzichtet wird und der Landrat dem Umweltminister eine Resolution übergibt, die darauf abzielte, daß die umliegenden Wiesen künftig nicht mehr mit Gülle gedüngt werden dürfen. Außerdem sollten Wiederbegrünungsmaßnahmen getroffen, der Uferbewuchs reduziert und ständige Boden- und Gewässerproben genommen werden. Den Antrag der NPD lehnten alle (!) Kreistagsmitglieder der etablierten Parteien (bei einer Enthaltung) ab. Als der NPD-Kreistagsabgeordnete Tobias Kammler, der selbst aus Bernshausen stammt, den Antrag begründete, rief der CDU-Landtagsabgeordnete Manfred Grob dazwischen: „Braune Scheiße bringt einen See eben zum Kippen.“ Zur Erinnerung: Bernshausen gehört zu seinem Direktwahlkreis, eigentlich müßte er sich der Sorgen der Bürger annehmen, jedoch mimt er nur im Rampenlicht den guten Politiker der Region. In seiner Heimatgemeinde kennt man ihn. Das ist wohl der Grund, weshalb er dort immer die schlechtesten Wahlergebnisse erhält. Als dann Vizelandrat Krauser (CDU) auf den NPD-Antrag mit der völlig falschen und lächerlichen Behauptung, in der Kutte würden zu viele Fische leben, deshalb wäre der Sauerstoffgehalt so gering, antwortete, nickte Manfred Grob zustimmend und rief in seiner cholerisch-überheblichen Art dazwischen: „Genau so ist es!“

Der NPD-Antrag hatte dennoch Erfolg: Die politisch Verantwortlichen im Landratsamt beriefen eilig eine Sitzung ein, zu der die Beteiligten aus Gemeinde, VG und Angelverein geladen worden. Dabei wurden ihnen einige Zugeständnisse gemacht, um wenigstens weiteren Schaden abwenden zu können. Ein Angestellter des Landratsamtes sowie Politiker der Region bestätigten indes, daß allein der NPD-Antrag dazu geführt habe. Denn vorher haben die Verantwortlichen im Wartburgkreis monatelang nichts getan – doch plötzlich hatte man es eilig.

Wie dem auch sei: Die Kutte muß geschützt und revitalisiert werden – und zwar dauerhaft. Wir bleiben auf jeden Fall am Ball. Nur eine Frage sollten sich unsere Leser stellen: Ist es angesichts derartiger Entgleisungen des Herrn Grob noch vertretbar, solch abgehobene Politgauner zu wählen? (tk)


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