Ronny N. war ein stadtbekannter Süchtiger. Wenige Monate ist es erst her, da starb er inmitten der Wartburgstadt an den Folgen seines jahrelangen Konsums. In den Medien erfährt man davon freilich nichts. Auch sonst hat man wenig Notiz davon genommen. Und die Beerdigung war rar besucht.
Dabei ist es ein offenes Geheimnis, daß in Eisenach nicht nur (ebenso gefährliche) „weiche“ Drogen wie Cannabis florieren, sondern es eine eingefleischte und stetig wachsende Heroinszene gibt. Sie ist nicht offen, wie am Bahnhof von Frankfurt oder in der Kaiserstraße der Mainmetropole, aber keineswegs unsichtbar. Doch Lichterketten, Blumenkränze oder öffentliche Debatten setzen an dieser Stelle nicht ein.
Wichtiger erscheint den Herrschenden, die Jugend vor dem falschen Gedankengut zu bewahren, als davor, ihren Körper und ihr Leben zu ruinieren. Kombiniert man die Tatenlosigkeit in Sachen Drogen mit den Inhalten heutiger TV-Programme und Freizeitangeboten und den Lehrplänen an unseren Schulen für die deutsche Jugend, könnte der geneigte Verschwörungstheoretiker fast meinen, hier stecke planvolles Handeln dahinter. Eine Jugend soll dumm und gelähmt gehalten werden!? Schließlich steckt nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist – und Sport ist ja heutzutage ebenso kein Ideal mehr. Die verantwortlichen Kreise behaupten unterdessen auch in Sachen Drogen, alles Menschenmögliche zu unternehmen. Dabei kommt dennoch die Prävention zu kurz, man doktert oberflächlich an den Symptomen herum.
Und alle Prävention in Form von bunten Hochglanzheften, teuren Werbekampagnen und Lehreraufklärung verfehlt doch allein schon deshalb ihr Ziel, weil die heutigen Vorbilder – mediengeformte Prominente – offen Drogen konsumieren und für jede derartige Verfehlung eine Erklärung parat haben und natürlich sofort wieder im Flimmerkasten laufen. Von protegierten „Musikstars“ ganz zu schweigen. Nicht zuletzt dürfte die Hauptursache für den Drogenmißbrauch gesellschaftspolitischer Natur sein: Keine Ideale, keine Aufgabe, keine Gemeinschaft, keine Zwänge, keine Werte und keine echten Vorbilder. Dafür grenzenlose Selbstverwirklichung, Haltlosigkeit, Amerikanisierung und unendliche Toleranz für Alles – außer die falsche Meinung natürlich. Von der laschen Justiz und den offenen Grenzen ganz zu schweigen.
Das Problem sitzt tiefer als man glaubt und Worte allein konnten Ronny N. und viele andere nicht retten. Eisenach täte deshalb gut daran, das Problem nicht länger unter dem Mantel des Schweigens zu verdecken, sondern Hand in Hand mit der Polizei, den Staatsanwaltschaften, Jugendverbänden, dem Stadtrat und dem Gesundheitswesen eine autoritäre Strategie zur Eindämmung des Problems zu entwickeln. Mehr kann eine Kommune nicht tun, solange nicht im ganzen Land ein Umdenken einsetzt. Aber aktiv handeln ist immernoch besser als schweigen.