Wir Deutschen werden älter und weniger, davon haben wir alle schon einmal gehört und gelesen. Die Deutschen haben dies zur Kenntnis genommen, die Politik verniedlicht die Vorgänge als „demografischen Wandel“ und schickt sich an, die damit verbundenen Verfallssymptome zu moderieren. Die Linke begreift das Aussterben der Deutschen gar als Chance. Und Fritz Hofmann von der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) brachte im Eisenacher Stadtrat gar zum Ausdruck, daß die Wartburgstadt früher als Seniorenresidenz galt und man dies wieder als anstrebenswerte kommunalpolitische Vision betrachten sollte. Kurzum: Von weiten Teilen der Politik darf man nicht erwarten, den Ernst der Lage zu erkennen und sie auch noch zu bekämpfen. So kann man für die Bundesrepublik Deutschland ganz im Gegensatz zum Beispiel zu skandinavischen Ländern oder Frankreich behaupten, daß es ein Alleinstellungsmerkmal der gemeinhin verteufelten NPD ist, überhaupt Bevölkerungspolitik im eigentliche Sinne einzufordern. Deshalb darf auch nicht verwundern, daß die jüngsten Ergebnisse der Volkszählung lediglich zur Kenntnis genommen wurden. Es war aber der Lokalpresse immerhin 1.157 Zeichen wert (TA v. 1.6.13), uns wissen zu lassen, daß Eisenach rund 1000 Einwohner weniger hat und entgegen bisherige Angaben nun doch bereits 2.040 Ausländer in der Stadt leben (Eingebürgerte nicht eingerechnet). Nur wenige Orte sind „gewachsen“, Thüringen ist noch kleiner geworden als in den letzten Jahrzehnten bereits zusammengeschrumpft, von ganz Deutschland ganz zu schweigen.
Geht das alles nun an uns vorbei? Wen soll aber in Zeiten nationaler Demut, Selbstverleugnung, ewiger Buße und Schuld schon der rein biologische Fortbestand des deutschen Volkes interessieren? Richtig, höchstens Ewiggestrige! Wenn dann dürfte uns doch interessieren, daß allein in jüngster Zeit beschlossen wurde, Sparkassenfilialien in Eisenach-Nord, Seebach, Bad Salzungen, Kieselbach und andernorts wegen des „Wandels“ dichtzumachen. Und Buslinien, besonders im Erbstromtal, massiv auszudünnen, auch wegen diesem Wandel. Immer offenbarer und zahlenmäßig offenkundiger wird, daß unser umlagefinanziertes Rentensystem durch Geburtenmangel nicht zu halten und auch nicht durch die millionenfach uns „bereichernden ausländischen Fachkräfte“ zu retten sein wird. Unternehmen von hier bereits mangels Lehrstellenbewerber abwandern. Thüringens Verkehrsminister Carius (CDU) den Wandel „nutzen“ will, damit Bahnen nicht mehr an jeder „Milchkanne“ (gemeint sind wohl unsere Dörfer…) halten müssen. Interessiert uns auch nicht? Haben wir dann überhaupt Anspruch auf irgendetwas, wenn wir unser aller Zukunft so leichtfertig aus der Hand geben und behandeln? Eine provokante Frage, wohl war.
Aber was ist ein Volk wert, das nicht nur sich selbst und seine Geschichte verteufelt, sondern auch garnichts von der Zukunft wissen will? Noch provokanter, auch wahr. Aber wen interessiert‘s? (pw)